Hier findet ihr die Original-Nachricht.
Sindelfingen - Die riskanten Cross-Border-Leasing-Geschäfte kommen für die Bodensee- und die Landeswasserversorgung mit mehr als 50 Millionen Euro noch teurer als befürchtet. Für Millionen Baden-Württemberger steigt der Preis für Trinkwasser.
Die beiden größten Wasserversorger im Land müssen ihr Engagement in Cross-Border-Leasing-Geschäfte mit US-Investoren teuer bezahlen. Die beiden Verbandsversammlungen beschlossen gestern in Sindelfingen (Kreis Böblingen) eine Umstrukturierung, die die beiden Zweckverbände zusammen genommen mehr als 50 Millionen Euro kosten wird. Damit werden die bisherigen Schätzungen, in denen den Verbänden Verlusten von rund 40 Millionen Euro vorhergesagt wurden, noch übertroffen. Die Veränderung kostet die Bodensee-Wasserversorgung (BWV) mindestens 27,5 Millionen Euro, die Landeswasserversorgung (LW) 23 Millionen Euro.
Zudem entschieden sich die Kommunal-Vertreter aus insgesamt fast 300 baden-württembergischen Gemeinden und Zweckverbänden, aus dem umstrittenen Geschäft so schnell wie möglich auszusteigen. Bislang lehnt dies der US-Investor ab. Beide Verbände wollen aber weiter in Verhandlungen bleiben, um dass Geschäft vorzeitig zu beenden. Im Vertrag ist eine Ausstiegsmöglichkeit erst 30 Jahre nach Beginn vorgesehen.
Bei dem Geschäft vermietete die Bodenseewasserversorgung 2002 ein Wasserwerk und 1700 Kilometer Leitungsnetz für 841 Millionen US-Dollar an den US-Investor First Union Bank. Bei der Landeswasserversorgung waren ein Jahr zuvor drei Wasserwerke und 735 Kilometer Wasserleitungen nach Übersee verkauft worden. Dafür erhielten die Zweckverbände auf einen Schlag Gewinne aus Steuervorteilen des US-Investors in Millionenhöhe. Im Fall der Bodenseewasserversorgung waren dies ein Barwertvorteil von rund 35,2 Millionen Euro, bei der Landeswasserversorgung 24,7 Millionen Euro. Gegenzug mussten sie ihre Infrastruktur mit Ratenzahlungen zurückmieten.
Als weitere Folge erhöhen sich bei beiden Zweckverbänden die Verbindlichkeiten. Die Landeswasserversorgung verschuldet sich in diesem und dem nächsten Jahr um zusätzliche 10,6 Millionen Euro. Der Kassenkredit bei der Bodensee-Wasserversorgung steigt auf sieben Millionen Euro und soll im Notfall weitere Verluste aus den riskanten Leasinggeschäften mit abdecken.
Beide Verbandsversammlungen stimmten nach längerer Diskussion den Plänen der Geschäftsleitung mit großer Mehrheit von fast 90 Prozent zu. "Von einem Verlust kann keine Rede sein", verteidigte der Vorsitzende beider Verbände und Stuttgarter OB Wolfgang Schuster (CDU). So bleibe der Bodenseewasserversorgung ein Gewinn von knapp 17 Millionen Euro, der Landeswasserversorgung von rund 7,7 Millionen Euro. Die verbliebene Gutschrift soll in den Rücklagen verbucht werden.
Die Wechsel der Geschäftspartner wurde infolge der weltweiten Finanzkrise notwendig. Dabei hatte sich die Kreditwürdigkeit des amerikanischen Versicherungsriesen AIG Mitte September von "AAA" auf "A-" massiv verschlechtert. AIG hatte das Geschäft für den US-Investor First Union Bank als Darlehensgeber und auf Seiten der Wasserversorger als Überweiser der Leasingraten begleitet. Die Eigenkapitalseite soll nun mit US-Staatsanleihen abgesichert werden.
(...)
Kommentar
Welcher normal denkende Mensch, vermietet oder verkauft seine ausgebauten Anlagen und Werke, nur um sie dann vom Käufer wieder zurückmieten oder -kaufen zu müssen?
Beispiel: Man stelle sich einmal vor, man kaufe für 10'000.- ein Auto. Das Auto wird bar bezahlt und bei der Strassenverkehrsbehörde angemeldet. Soweit so gut. Nun verkauft man dieses Auto für 15'000.- an einen Investor und schliesst gleichzeitig einen Mietvertrag mit diesem ab. Zukünftig bezahlt man monatlich 150.- an den Investor, als Miete für den Gebrauch des Fahrzeugs. Rein rechnerisch hat man dieses Auto in ungefähr 8 1/2 Jahren erneut zurückgekauft, solange dauert es nämlich bis die Raten die Verkaufssumme erreicht haben. Frage: Wieso kaufe ich denn überhaupt ein Auto, wenn ich es danach gleich wieder verkaufe und zukünftig nur noch miete? Warum nicht gleich ein Miet-Geschäft mit dem Investor ohne den Umweg über den Autohändler?
Nun haben also ein paar wenige Leute den Hals nicht voll genug bekommen und wollten beim grossen Monopoly-Spiel ebenfalls mitverdienen. Warum auch nicht? Geht alles gut, verdienen sich die Damen und Herren eine goldene Nase - insbesondere dann, wenn in ihrem Vertrag festgelegt ist, dass beispielsweise steigende Aktienkurse mit einem Bonus belohnt werden. Geht hingegen alles den Bach hinunter - meist nicht unmittelbar, so dass allfällig vereinbarte Boni-Zahlungen natürlich noch kassiert werden können bevor die Kacke am Dampfen ist - springt natürlich sofort jemand anderes ein. Entweder die Kunden einer Firma, über höhere Preise - oder aber der Staat muss einmal mehr die Verluste ausgleichen.
Wenn eine Firma ihre Produkte verteuern muss, weil ihr Plan schiefgelaufen ist, so haben ihre Kunden die Wahl, zur Konkurrenz zu gehen. Wird das Produkt der Firma X plötzlich doppelt so teuer angeboten, kaufe ich als mündiger Konsument natürlich das Produkt der Firma Y ein - logisch. Problematisch wird es nur bei Produkten, bei denen ich als Kunde diese Ausweichmöglichkeit nicht habe. Beispielweise bei der Wasserversorgung. Oder kann ich beispielsweise in München, Wasser aus Berlin durch meine Leitungen sprudeln lassen?
Einem Kunden der oben erwähnten Firma bleibt also nichts anderes übrig... als die höheren Preise zu bezahlen. Wie aus dem Bericht hervorgeht, soll noch weiteres Verschulden erfolgen. Gut möglich, dass auch die Länder oder gar der Bund noch wird einsteigen und aushelfen müssen, damit das ganze System nicht kollabiert. Wessen Geld wird hierfür verwendet? Richtig, Steuergelder (Einnahmen des Staates) oder neu aufgenommene Kredite (Erhöhung der Verschuldung) - Gelder wofür jeder einzelne Bürger eines Landes wiederum gradestehen muss.
Die Verantwortlichen sehen natürlich wieder alles sehr blauäugig. Von einem Verlust kann selbstverständlich nicht gesprochen werden. Klar. Man hat ja nur ein paar Milliönchen Euro in den Sand gesetzt - weiter nichts. 50 Millionen Euro Verlust sind doch kein Problem, solange man knapp 10 Millionen Euro am Geschäft verdient hat - oder?
Wie konnte man so dumm sein und seine Wasserversorgung überhaupt aus den Händen geben??!! Wenn wir eines Tages kein Erdöl mehr haben, nun gut dann gehen wir halt zu Fuss statt mit dem Auto. Wenn wir eines Tages keinen Strom mehr haben, nun gut dann heizen wir halt wieder mit dem guten alten Feuerholz. Wenn wir eines Tages kein Wasser mehr haben, dann... was dann? Dann gute Nacht.
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Montag, 16. Februar 2009
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