Montag, 16. Februar 2009

Boni, die gar keine sind?

Ein weiteres Anzeichen dafür, dass wir von hinten bis vorne verarscht und für dumm verkauft werden, findet sich hier.

Am 10. Februar wird die UBS Rechenschaft über das Geschäftsjahr 2008 ablegen. Im Vorfeld dieses Ereignisses ist eine Diskussion darüber entbrannt, ob eine Bank, die mit Sicherheit einen Milliardenverlust ausweisen wird, Boni an ihre Mitarbeiter ausschütten soll. Über Indiskretionen ist bekanntgeworden, dass gruppenweit rund 2 (i. V. 12,1) Mrd. Fr. zur Verteilung vorgesehen sind. Dies ist offenbar der Betrag, auf den sich die Bank mit der Aufsichtsbehörde Finma geeinigt hat. Seit der Bund Mitte Oktober der in Not geratenen UBS über eine Pflichtwandelanleihe 6 Mrd. Fr. an neuem Kapital zur Verfügung gestellt hat, muss die in ihrer unternehmerischen Freiheit eingeschränkte Bank ihr Salärregime von der Politik genehmigen lassen.

Wirrwarr der Begriffe

Wenn es um Boni geht, beginnen die Probleme schon beim Begrifflichen. Der Ausdruck Bonus, der erst im Nachgang zur Fusion der alten Bankgesellschaft mit dem Bankverein Eingang in den Wortschatz der «neuen» UBS gefunden hat, findet sich nicht im Obligationenrecht. Dort ist vielmehr von einer Gratifikation die Rede, und die Grossbank selbst spricht in der Öffentlichkeit von einer variablen Vergütungskomponente. Gemeinhin geht die Volksseele davon aus, dass Boni immer freiwillig ausgeschüttet werden und demzufolge auch jederzeit gestrichen werden können. Entsprechend schwer fällt es dem Publikum, der Politik und Teilen der Presse, sich mit dem Umstand abzufinden, dass die UBS selbst in Zeiten, in denen sie Verluste erleidet, Boni auszahlt.


Aus juristischer Sicht wird ein Bonus zu einem geschuldeten variablen Lohnbestandteil, wenn seine Auszahlung an messbare Kriterien gebunden ist. In der Regel gibt der Arbeitgeber eine Zusicherung ab, dass beim Erreichen vorher definierter Leistungsziele eine direkt vom Zielerreichungsgrad abhängige Zahlung fällig wird. Typisch für solche variablen Lohnbestandteile sind die nach genauen Kriterien berechneten Umsatzprovisionen von Autoverkäufern oder, bei manchen Banken, die variablen Lohnbestandteile von Anlageberatern. Wenn einem Autoverkäufer ein Prozentsatz der Verkaufssumme oder einem Anlageberater ein Prozentsatz der von ihm für die Bank gewonnenen Netto-Neugelder zugesichert wird, kann der Arbeitgeber in der Regel nicht einfach auf die Auszahlung der vereinbarten variablen Lohnbestandteile verzichten – auch wenn er Verluste schreibt oder in Arbeitsverträgen ausdrücklich darauf hinweist, dass selbst dann kein Anspruch auf künftige Zahlungen besteht, wenn solche in der Vergangenheit regelmässig ausbezahlt wurden.


Sind variable Lohnkomponenten über mehrere Jahre ausbezahlt worden, gilt dies unter Juristen tendenziell eher als Indiz für eine zugesicherte und damit geschuldete Entschädigung. Dasselbe wird tendenziell angenommen, wenn die variablen Lohnkomponenten das Basissalär übertreffen, sofern dieses nicht an sich schon als fürstlich qualifiziert werden kann. Einen unbestrittenen Anspruch auf variable Lohnbestandteile haben auch jene Mitarbeiter, denen solche Vergütungen vertraglich über mehrere Jahre zugesichert worden sind. Garantierte Boni gelten weitherum als probates Mittel, um Mitarbeiter von der Konkurrenz wegzulocken und an das eigene Unternehmen zu binden. Von den bereits erwähnten 2 Mrd. Fr., die die UBS für das vergangene Geschäftsjahr in Form von variablen Lohnbestandteilen ausschütten will, sind laut Indiskretionen rund 1,3 Mrd. Fr. vertraglich geschuldet und müssen deshalb in jedem Fall ausbezahlt werden.

Schwierige Unterscheidung

Von einem Bonus, wie ihn das breite Publikum versteht, ist aus juristischer Sicht dann die Rede, wenn seine Auszahlung weniger von genau definierten, individualisierten Kriterien abhängt als vielmehr vom freien Willen des Arbeitgebers. In einem solchen Fall besteht aufgrund der Freiwilligkeit logischerweise kein Anspruch auf eine Ausschüttung. Nur: In der Praxis dürfte die Unterscheidung zwischen geschuldeten variablen Lohnkomponenten und freiwillig ausgeschütteten Bonuszahlungen nicht immer einfach sein, weil durchaus Mischformen anzutreffen sind. Umso wichtiger ist es, keine generellen Schlüsse zu ziehen, sondern jeden Einzelfall für sich zu bewerten.

Schiefes Bild

Unabhängig davon ist anzunehmen, dass die UBS unter den obwaltenden Umständen haushälterisch mit ihren Mitteln umgeht und nicht unnötig Boni ausschüttet – das Bild von der Bank, die ein Füllhorn über masslos habgierige Spitzenmanager ausschüttet, bedient primär populistische Instinkte und kommt jenen Akteuren gelegen, die aus der prekären Situation der Bank politisches Kleingeld schlagen wollen. Immerhin setzt die UBS im laufenden Quartal ein neues Salärsystem in Kraft, das die Entlöhnung der Spitzenleute stärker an die langfristig nachhaltige Gewinnentwicklung der Bank knüpft, etwa indem es neben einer Bonus-Komponente auch einen Malus-Mechanismus vorsieht. An der nächsten und übernächsten Generalversammlung können sich die Aktionäre in Konsultativabstimmungen über die Prinzipien und Grundlagen des neuen Modells äussern. Damit hat sich die Bank eingehender mit Entschädigungsmodellen auseinandergesetzt als die Mehrheit ihrer Konkurrenten.



Kommentar:
Grundsätzlich stellen sich mir zu diesem Artikel zwei Fragen:

1. Will uns der Artikel so beeinflussen, dass wir künftige "Boni-Zahlungen" der UBS als gerechtfertigt ansehen?

2. Will uns der Artikel aufzeigen, dass die Medien eine Hetzkampagne gegen die UBS führen und Vorgänge wie die Vergabe von Boni zu Unrecht kritisieren?

Der Artikel stammt von der NZZ, einem eher für die Wirtschaft ausgerichteten Blatt. Es wäre nicht verwunderlich, wenn man Seitens der NZZ eine für Zürich so wichtige Firma wie die UBS in Schutz nähme und die Zahlungen rechtfertigen würde.
So gesehen wäre der Artikel ein Beweis dafür, dass selbst eine so renommierte Zeitung wie die NZZ von der Wirtschaft direkt beeinflusst wird. Aber das ist reine Spekulation.

Auf den zweiten oben genannten Punkt eingehend, stellt sich mir gleich die nächste Frage: Wer profitiert davon? Führen Schundblätter wie Blick & Co. nur deshalb eine Hetzkampagne, um beim vielfältigen Angebot der Gratiszeitungen, ein paar Leser für sich zu begeistern?
Tatsache ist, die schweizer Bevölkerung ist empört. In Umfragen ereifern sich weit über 90% darüber, dass die Boni-Zahlungen alles andere als gerechtfertig seien.

[Fortsetzung folgt - Artikel wird aufgrund technischer Probleme später weitergeführt]

verarscht und abgezockt

Hier findet ihr die Original-Nachricht.

Sindelfingen - Die riskanten Cross-Border-Leasing-Geschäfte kommen für die Bodensee- und die Landeswasserversorgung mit mehr als 50 Millionen Euro noch teurer als befürchtet. Für Millionen Baden-Württemberger steigt der Preis für Trinkwasser.

Die beiden größten Wasserversorger im Land müssen ihr Engagement in Cross-Border-Leasing-Geschäfte mit US-Investoren teuer bezahlen. Die beiden Verbandsversammlungen beschlossen gestern in Sindelfingen (Kreis Böblingen) eine Umstrukturierung, die die beiden Zweckverbände zusammen genommen mehr als 50 Millionen Euro kosten wird. Damit werden die bisherigen Schätzungen, in denen den Verbänden Verlusten von rund 40 Millionen Euro vorhergesagt wurden, noch übertroffen. Die Veränderung kostet die Bodensee-Wasserversorgung (BWV) mindestens 27,5 Millionen Euro, die Landeswasserversorgung (LW) 23 Millionen Euro.

Zudem entschieden sich die Kommunal-Vertreter aus insgesamt fast 300 baden-württembergischen Gemeinden und Zweckverbänden, aus dem umstrittenen Geschäft so schnell wie möglich auszusteigen. Bislang lehnt dies der US-Investor ab. Beide Verbände wollen aber weiter in Verhandlungen bleiben, um dass Geschäft vorzeitig zu beenden. Im Vertrag ist eine Ausstiegsmöglichkeit erst 30 Jahre nach Beginn vorgesehen.

Bei dem Geschäft vermietete die Bodenseewasserversorgung 2002 ein Wasserwerk und 1700 Kilometer Leitungsnetz für 841 Millionen US-Dollar an den US-Investor First Union Bank. Bei der Landeswasserversorgung waren ein Jahr zuvor drei Wasserwerke und 735 Kilometer Wasserleitungen nach Übersee verkauft worden. Dafür erhielten die Zweckverbände auf einen Schlag Gewinne aus Steuervorteilen des US-Investors in Millionenhöhe. Im Fall der Bodenseewasserversorgung waren dies ein Barwertvorteil von rund 35,2 Millionen Euro, bei der Landeswasserversorgung 24,7 Millionen Euro. Gegenzug mussten sie ihre Infrastruktur mit Ratenzahlungen zurückmieten.

Als weitere Folge erhöhen sich bei beiden Zweckverbänden die Verbindlichkeiten. Die Landeswasserversorgung verschuldet sich in diesem und dem nächsten Jahr um zusätzliche 10,6 Millionen Euro. Der Kassenkredit bei der Bodensee-Wasserversorgung steigt auf sieben Millionen Euro und soll im Notfall weitere Verluste aus den riskanten Leasinggeschäften mit abdecken.

Beide Verbandsversammlungen stimmten nach längerer Diskussion den Plänen der Geschäftsleitung mit großer Mehrheit von fast 90 Prozent zu. "Von einem Verlust kann keine Rede sein", verteidigte der Vorsitzende beider Verbände und Stuttgarter OB Wolfgang Schuster (CDU). So bleibe der Bodenseewasserversorgung ein Gewinn von knapp 17 Millionen Euro, der Landeswasserversorgung von rund 7,7 Millionen Euro. Die verbliebene Gutschrift soll in den Rücklagen verbucht werden.

Die Wechsel der Geschäftspartner wurde infolge der weltweiten Finanzkrise notwendig. Dabei hatte sich die Kreditwürdigkeit des amerikanischen Versicherungsriesen AIG Mitte September von "AAA" auf "A-" massiv verschlechtert. AIG hatte das Geschäft für den US-Investor First Union Bank als Darlehensgeber und auf Seiten der Wasserversorger als Überweiser der Leasingraten begleitet. Die Eigenkapitalseite soll nun mit US-Staatsanleihen abgesichert werden.

(...)

Kommentar
Welcher normal denkende Mensch, vermietet oder verkauft seine ausgebauten Anlagen und Werke, nur um sie dann vom Käufer wieder zurückmieten oder -kaufen zu müssen?
Beispiel: Man stelle sich einmal vor, man kaufe für 10'000.- ein Auto. Das Auto wird bar bezahlt und bei der Strassenverkehrsbehörde angemeldet. Soweit so gut. Nun verkauft man dieses Auto für 15'000.- an einen Investor und schliesst gleichzeitig einen Mietvertrag mit diesem ab. Zukünftig bezahlt man monatlich 150.- an den Investor, als Miete für den Gebrauch des Fahrzeugs. Rein rechnerisch hat man dieses Auto in ungefähr 8 1/2 Jahren erneut zurückgekauft, solange dauert es nämlich bis die Raten die Verkaufssumme erreicht haben. Frage: Wieso kaufe ich denn überhaupt ein Auto, wenn ich es danach gleich wieder verkaufe und zukünftig nur noch miete? Warum nicht gleich ein Miet-Geschäft mit dem Investor ohne den Umweg über den Autohändler?

Nun haben also ein paar wenige Leute den Hals nicht voll genug bekommen und wollten beim grossen Monopoly-Spiel ebenfalls mitverdienen. Warum auch nicht? Geht alles gut, verdienen sich die Damen und Herren eine goldene Nase - insbesondere dann, wenn in ihrem Vertrag festgelegt ist, dass beispielsweise steigende Aktienkurse mit einem Bonus belohnt werden. Geht hingegen alles den Bach hinunter - meist nicht unmittelbar, so dass allfällig vereinbarte Boni-Zahlungen natürlich noch kassiert werden können bevor die Kacke am Dampfen ist - springt natürlich sofort jemand anderes ein. Entweder die Kunden einer Firma, über höhere Preise - oder aber der Staat muss einmal mehr die Verluste ausgleichen.

Wenn eine Firma ihre Produkte verteuern muss, weil ihr Plan schiefgelaufen ist, so haben ihre Kunden die Wahl, zur Konkurrenz zu gehen. Wird das Produkt der Firma X plötzlich doppelt so teuer angeboten, kaufe ich als mündiger Konsument natürlich das Produkt der Firma Y ein - logisch. Problematisch wird es nur bei Produkten, bei denen ich als Kunde diese Ausweichmöglichkeit nicht habe. Beispielweise bei der Wasserversorgung. Oder kann ich beispielsweise in München, Wasser aus Berlin durch meine Leitungen sprudeln lassen?

Einem Kunden der oben erwähnten Firma bleibt also nichts anderes übrig... als die höheren Preise zu bezahlen. Wie aus dem Bericht hervorgeht, soll noch weiteres Verschulden erfolgen. Gut möglich, dass auch die Länder oder gar der Bund noch wird einsteigen und aushelfen müssen, damit das ganze System nicht kollabiert. Wessen Geld wird hierfür verwendet? Richtig, Steuergelder (Einnahmen des Staates) oder neu aufgenommene Kredite (Erhöhung der Verschuldung) - Gelder wofür jeder einzelne Bürger eines Landes wiederum gradestehen muss.


Die Verantwortlichen sehen natürlich wieder alles sehr blauäugig. Von einem Verlust kann selbstverständlich nicht gesprochen werden. Klar. Man hat ja nur ein paar Milliönchen Euro in den Sand gesetzt - weiter nichts. 50 Millionen Euro Verlust sind doch kein Problem, solange man knapp 10 Millionen Euro am Geschäft verdient hat - oder?

Wie konnte man so dumm sein und seine Wasserversorgung überhaupt aus den Händen geben??!! Wenn wir eines Tages kein Erdöl mehr haben, nun gut dann gehen wir halt zu Fuss statt mit dem Auto. Wenn wir eines Tages keinen Strom mehr haben, nun gut dann heizen wir halt wieder mit dem guten alten Feuerholz. Wenn wir eines Tages kein Wasser mehr haben, dann... was dann? Dann gute Nacht.